August: Lieblingsrohstoff Leder

Massenware aus Tierleid & Umweltverschmutzung

Leder erfreut sich weltweit einer enormen Popularität. Das "Naturprodukt" gilt allgemein als unverwüstlich - oder zumindest langlebig - und hochwertig. Ledererzeugnisse begleiten uns einfach überall: Schuhe, Kleidung, Accessoires, Hundeleinen, -halsbänder und - betten, Autolenkräder und Möbel bestehen aus Leder.

Doch hinter dem so beliebten Rohstoff steckt noch mehr Tierleid und Umweltzerstörung als hinter der Fleischindustrie.

Leder ist kein Nebenprodukt der Fleischindustrie

Längst ist Leder kein Nebenprodukt der Fleischindustrie mehr. Es ist ein eigenständiger Industriezweig, der einen Umsatz von 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr erzielt, hochgradig umweltschädlich ist und noch mehr Tierleid verursacht als die ohnehin schon grausame Massentierhaltung. Nur für die Lederindustrie sterben weltweit über eine Milliarde Tiere, hauptsächlich Rinder, Schafe und Ziegen, aber auch Hunde und Katzen.

Leder ist ein Klimakiller

Für die Züchtung der Tiere werden Unmengen von Futter, Wasser, Weideflächen und Medikamenten verbraucht. Das hat die Abholzung von wertvollen Waldflächen, Überdüngung, Bodenerosion und Monokulturen zur Folge. Die Methanausscheidungen der Kühe - denn meist stammt Leder von getöteten Rindern - sind 25 Mal so gefährlich wie Co2 und beschleunigen die Klimaerwärmung rasant.

 

Der Wasserverbrauch der Gerbereien topt die meisten negativen Rekorde anderer Industriezweige. Im Chemiebad werden Blut, Dung, Haarbüschel, Haut- und Fleischreste gelöst und landen meist ungefiltert im Abwasser und anschließend in Flüssen und Trinkwasserversorgungen. In China, Indien, Südamerika und Bangladesh, den Ländern, wo ein Großteil des weltweit verarbeiteten Leders entsteht, gibt es keine Umweltstandards.

Leder ist giftig

Damit Leder in der bekannten Form beim Verbraucher ankommt, erfährt es mehrere Verarbeitungsschritte:

  • energieverschwenderische Kühlung: Damit die Tierhäute nicht verwesen, werden sie unter hohem Energieaufwand gekühlt.
  • umweltbelastende Salze: Um die Tierhaut zu konservieren, wird es mit Tonnen von reizenden Salzen bedeckt.
  • chemisch basierte Enthaarung: Die abgezogene Haut wird in der Gerberei in eine Brühe aus Kalk, Sulfiden und Enzymen gelegt. Das beschleunigt die Enthaarung.
  • giftiges Gerben: Das Gros aller Häute - ca. 85 % - wird mit Chrom III gegerbt. Schon bei minimalen Abweichungen in der Dosierung entsteht das hochgiftige, allergieauslösende und erbgutverändernde Chrom VI. Standardmäßig werden für die Gerbung Aluminium, Zirkon, Eisen, Schwefelsäure, Ameisensäure, Natriumsulfat und Natriumchlorid verwendet. Reste der Chemikalien sind auch in fertigen Produkten nachweisbar.

Leder ist Tiermassaker

Das meiste Leder stammt aus Asien. Die Tiere werden dort nicht nur ihr ganzes (kurzes) Leben lang unter unvorstellbar grausamen Bedingungen gehalten und maximal ausgebeutet. Sobald ihre Kräfte nachlassen, müssen sie sich der letzten quallvollen Prozedur unterziehen: dem Todesmarsch. Gerade Indien, wo die Kuh als die Göttin aller Götter gilt, ist der weltweit zweitgrößte Lederexporteur. Und ausgerechnet dort erleiden die "Götter" unendliche Qualen: Die kranken oder alten Rinder werden entweder in illegalen Schlachthöfen getötet oder über die Grenze zum Rindermarkt nach Bangladesh transportiert. Zu dem Zweck werden die Tiere gefesellt und übereinander auf LKW-Ladeflächen geworfen. Der Transport dauert bis zu einer Woche - mit Wagen oder im Gehen -, meist ohne Wasser und Nahrung. Wenn die Tiere am Zielort bereits zu schwach sind um aufzustehen, bedienen sich ihre Peiniger allerlei kreativen Methoden, sie zum Bewegen zu zwingen: Chili in die Augen, Schwänze gebrochen oder Strom in den Anus geführt. In Bangladeshs Hauptstadt Dhaka verlieren tausende Rinder täglich ihr Leben: Nach islamischem Ritus wird ihnen bei vollem Bewusstsein die Kehle aufgeschnitten. Teilweilse noch lebendig schneiden die Schlachter den Kühen die Haut vom Leib und verkaufen sie an Gerbereien weiter.

Abgesehen davon, dass Du nicht sicher sein kannst, ob die so angenehm in der Hand liegende Hundeleine nicht auch von chinesischen Hunden stammt, ist die Lederproduktion an sich - unabhängig von der Tierart - ein grausames Massaker und eine gravierende Umweltsünde.

Alternativen zu Lederprodukten bei Hundezubehör

Wer auf Leder verzichten will, hat es mittlerweile ganz leicht. Es gibt eine Reihe sinnvoller Alternativen, wie Ananas- oder Pilzleder, Kork oder auch Kunstleder. Im Hundebereich gibt es aber auch die unverwüstliche Biothane oder der umweltfreundliche Hanf.


Auf der Suche nach Alternativen für Leder? Wie wäre es mit Ropes Upcycled?


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WUSSTEST DU....?

  • Der Handel und Import von Hunde- und Katzenleder ist in der EU seit Januar 2009 verboten. Schätzungen zufolge werden jedoch jedes Jahr um die zwei Millionen Katzen und Hunde für Leder getötet, meist in China. Die europäische Textilkennzeichnungspflicht verlangt keine Angaben über die Tierart, das Herkunftsland oder die benutzten Chemikalien von Lederartikeln.
  • Am Ende der Gerbung hat jede Tierhaut in etwa 20 Kilogramm Chemikalien gebadet.
  • Etwa 90 % des indischen Leders landet in der Europäischen Union, Deutschland ist der zweitgrößte Absatzmarkt.
  • Da Leder keine quadratische Form hat, fallen bei der Verarbeitung 30 % Verschnitt an, die entweder entsorgt oder zu Tierfutter verarbeitet werden. Auch Narben und Unebenheiten auf der Haut landen im Müll.
  • In armen Ländern wie Bangladesch arbeiten auch Kinder in Gerbereien.

Drei Fragen an...

...Frank Schmidt, Teamleiter Corporate bei PETA Deutschland e.V.

Frank Schmidt, PETA
Frank Schmidt (Foto: © PETA Deutschland e.V.)

Frank ist seit sechseinhalb Jahren bei PETA, weil er sich nicht nur privat, sondern auch beruflich für Tiere engagieren will. Durch sein Verhalten möchte er keinen Tieren schaden. Doch erst durch Aufklärungsarbeit, Lobbying für bessere Tierschutzgesetze und Einsatz für mehr vegane Produkte bei Unternehmen kann er die Rahmenbedingungen für eine tierfreundlichere Gesellschaft schaffen.

1. Leder findet sehr häufig Einsatz auch im Hundebereich: Bei Leinen, Halsbändern oder Betten. Ist das für Tierliebhaber wie Hundehalter überhaupt vertretbar?
Ein Hund möchte spielen, laufen, sozial sein und ein glückliches Leben führen. Kälber und Rinder hingegen haben in unserer Gesellschaft trotz ähnlicher Bedürfnisse ein häufig sehr kurzes Leben. Hunderttausenden Tieren wird auch in Deutschland häufig noch bei Bewusstsein die Kehle aufgeschnitten. Hinter Leder steckt immer die gewaltsame Tötung von fühlenden Lebewesen. In China werden auch Hunde für Leder getötet und daraus Accessoires hergestellt. Aus ethischer Sicht befürworten wir bei PETA deshalb auch konsequent vegane Hundeaccessoires aus möglichst nachhaltigen Pflanzen- oder Kunstfasern. Somit vermeiden Hundehalter*innen auch den Widerspruch, dass ihre geliebten Hunde die Haut von anderen toten Tieren oder sogar anderen Hunden tragen.

2. Sind alle Lederprodukte wirklich pauschal abzulehnen? Gibt es nicht ökologisch-tierfreundliche Alternativen wie etwa Leder von Wasserbüffeln aus Brandeburg, die lange und artgerecht leben dürfen und auf der Weide erschossen werden?
Auch wenn die Büffel statt wie bei Rindern üblich im Laufstall auf die Weise dürfen, so ist ihr Tod ein extremer Gewaltakt. Es schützt uns natürlich psychologisch, unseren Hunden alle Liebe der Welt zu geben und mit teuren Arztbesuchen um ihr Leben zu kämpfen. Parallel aber andere Tiere für einfache Accessoires zu töten steht für mich persönlich in keinem Verhältnis, wenn man bedenkt, dass es Alternativmaterialien gibt und ein Rind, ein Hund und ein Mensch ähnliche Schmerzen empfinden, wenn sie verletzt werden.

3. Sind die Alternativen wie Ananas-/Pilzleder oder Kork wirklich konkurrenzfähig zum Echtleder? Oder werden durch die kürzere Lebenswerwartung der veganen Ledererzeugnisse wieder mehr Ressourcen verbraucht?
Ananasleder ist robust und reißfest, aber noch vergleichsweise selten. Recycelte und moderne Kunstfasern sind strapazierfähig, günstig und pflegeleicht und die Haltbarkeit ist bei Qualitätsware sehr gut. Gerade wenn es nass wird, sind Lederwaren wegen der Feuchtigkeitsaufnahme oft nicht ideal und trocknen schlecht. Wichtig sind auf jeden Fall gut sitzende und einstellbare Hundegeschirre, die zu meinem Vierbeiner und dessen Verhalten ideal passen.