Juli: Adoptieren statt kaufen

Tierschutz geht uns alle an

Das Thema Tierschutz liegt mir ganz besonders am Herzen. Weil es so vielfältig ist, so bewegend und zum Teil so kontrovers. Den Tierschutz assozieren viele mit einer Spende oder Adoption. Und sicherlich gehört das auch dazu: Ein wahrer Hundeliebhaber sucht seinen tierischen Freund nicht beim Züchter aus. Wer Hunde liebt, gibt einer geschundenen, einsamen, verletzten Seele in einem Tierheim oder einer Tötungsstation eine Chance. Davon bin ich tief überzeugt und aus dem Grund auch strikt gegen die Hundezucht. Solange so viele Hunde in Tierheimen oder gar Tötungsstationen landen, bleibt das Designen von Rassehunden egoistisch und kurzsichtig.

  • Die Zucht erfolgt nach meist verqueren Schönheitsstandards
  • Die meisten Rassehunde sind mit Krankheiten behaftet, für die der Mensch verantwortlich ist
  • Zusätzliche Hunde treiben den Fleischkonsum hoch und vergrößern den CO2-Ausstoß
  • Das Leid der Tierschutzhunde ist unermässlich
  • Für Liebhaber bestimmter Rassen gibt es spezielle Tierschutzvereine, wie "Rottweiler in Not"usw.

Tierschutz umfasst auch die Nutztiere

Der Begriff Tierschutz umfasst in meinen Augen aber auch gesunde Hundeernährung, sicheres, ungiftiges Zubehör und möglichst chemiefreies Leben. Indem ich nämlich meinen Hund von den negativen Folgen der Zivilisation fernhalte, schütze ich ihn. Zum Tierschutz gehören für mich aber ebenso die Lebewesen, die im Hundenapf - oder auf dem Teller - landen. Die schizophrene Unterscheidung zwischen Hundeliebe und Kuhkonsum bleibt für mich inakzeptabel. Dabei bin ich keinesfalls der Meinung, dass alle plötzlich vegan leben sollen. Ich finde aber, dass eine Kuh, ein Schwein, ein Huhn & Co. genauso viel Respakt und Fürsorge verdienen, wie ein Haustier. Wir zahlen Hunderte bis Tausende Euro für einen Rassenhund, sorgen für seine Unversehrtheit, bieten ihm medizinische Versorgung, zahlen für Hundesitter und verzichten auf Flugreisen - und machen uns auf der anderen Seite GAR KEINE GEDANKEN über die Kuh, die ein erbärmlich kurzes und leidvolles Dasein fristet? Alleine können wir die grausame Massentierhaltung nicht abschaffen - solange die Politik von der (Land-)Wirtschaft instrumentalisiert wird. Es ist längst keine Viehzucht mehr, es ist eine industrielle, profitorientiert und auf maximale Effizient programmierte industrielle Produktion.
Wir können aber selbst auf Billigfleisch verzichten und dem Hund auch Fleisch aus verantwortungsvollen Quellen bieten - und hin und wieder einen vegetarischen oder veganen Tag. Das entlastet den Körper und sorgt für reduzierten Fleischkonsum.

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WUSSTEST DU....?

  • Etwa 300.000 Tiere, davon 120.000 Hunde warten in den deutschen Tierheimen auf ihre Chance.
  • Die Zahl der Tiere, die im Tierheim landen, erhöht sich von Jahr zu Jahr.
  • In Deutschland existieren ca. 1400 Tierheime, die zum Teil am Rande des Ruins stehen.
  • Der Deutsche Tierschutzbund fordert einen Sonderinvestitionstopf von einmalig 50 Millionen Euro für dringende Maßnahmen in den Tierheimen. Das ist ein Sechstel der 300 Millionen Euro, die die Kommunen jährlich an Hundesteuer einnehmen.
  • Jährlich finden in Deutschland etwa 500.000 Welpen einen neuen besitzen (Quelle: VDH)
  • 69 % aller in Deutschland gehaltenen Hunde sind Rassehunde, Mischlinge machen 31% aus.
  • In Deutschland werden jährlich 745 Millionnen Tiere geschlachtet (2017). Knapp 99% des verkauften Fleisches stammt aus Massentierhaltung,


 

Man erkennt die Größe der Nation danach, wie sie mit ihren Tieren umgehen.

(Mahatma Ghandi)

 


Drei Fragen an...

...Christoph Jung, Diplompsychologen, Buchautor und Blogger

Christoph Jung ist Diplom-Psychologe und Biologe. 2011 unterstützte er die Bundestagsgremien bei der Novelle des Tierschutzgesetzes.
Mit Hunden und Katzen aufgewachsen, beschäftigt sich der 63-Jährige seit mehreren Jahren mit der Partnerschaft von Mensch und Hund sowie mit den Missständen in der Hundebranche. Er ist Initiator des „Dortmunder Appells“ für eine Wende in der Hundezucht und betreibt seit 2007 den Blog www.petwatch.de. Er wohnt mit einer Tochter und Frau in der Nähe von Halle / Saale zusammen mit drei Hunden: einer englischen Bulldogge Bruno, einer Husky-Hündin Mary und einem Podenco-Mischling Zander.

1. Seit Jahren engagieren Sie sich für die Rechte von Zuchthunden und haben zahlreiche Aktionen gestartet, die den Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) zum Handeln bewegen sollten. Sie sind auch der Autor von „Schwarzbuch Hund: Die Menschen und ihr bester Freund“. Was war der Auslöser Ihres Engagements?
Es gab zwei Hintergründe: Erstens, meine langjährigen Erfahrungen, die ich mit Hunden gesammelt habe. Ich bin mit Hunden groß geworden, sie waren meine engsten Vertrauten und Freunde. Später habe ich mich auch professionell mit dem Thema Mensch-Hund-Beziehung beschäftigt. Während des Studiums beispielsweise damit, welche Hunderasse sich für die Werbung am besten eignet. Und der zweite Hintergrund meines Engagements, gewissermaßen notgedrungen, war mein Hund Willi, eine englische Bulldogge, die ich Mitte der 90er-Jahre bekommen habe. Die Rasse war mein Kindheitstraum, aus dem beinahe ein Alptraum geworden ist: Willi war dauernd krank. Keine lebensbedrohlichen Krankheiten, aber durchgehend stimmte etwas nicht mit ihm. Ich war alle zwei Wochen beim Tierarzt und dachte erst, ich hätte Pech, bis ich mich eingehend mit der Problematik der Rasse beschäftigt habe. Ich konnte nicht darüber schweigen.

2. Was läuft in der heutigen Hundebranche aus Ihrer Sicht falsch?
Der Hund ist zur Ware geworden, der Mensch hat die Verbindung zur Natur verloren und dadurch auch das natürliche Verhältnis zum Hund. Der Hintergrund des Problems sind die Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne, die meines Erachtens kein Interesse am Tierschutz haben, egal ob bei Nutz- oder Haustieren. Futtermittelkonzerne sind die größten Lobbyisten an den Universitäten. Es gibt in der Tiermedizin kaum wissenschaftliche Forschungen, die nicht von Konzernen wie Mars beeinflusst sind. Bereits seit den 50er-Jahren ist die Futtermittelindustrie mit der Tiermedizin eng verbandelt, viel extremer als die Lebensmittel- oder Pharmaindustrie mit der Humanmedizin. Der Hund ist einfach ein hervorragendes Objekt, um gutes Geld zu verdienen. Im „Schwarzbuch Hund“ habe ich ja nachgewiesen, dass alle an diesem Markt Beteiligten am kranken Hund mehr verdienen als am gesunden. Die Kleintiermedizin lebt von den Krankheiten der Tiere. Ein Professor sagte mir mal: „Herr Jung, wenn das, was Sie schreiben, durchkommt, ist die Hälfte meiner Studenten arbeitslos“. Das sind einfach gegenläufige Interessen. Ein einzelner Tierarzt mag schon ein schlechtes Gewissen haben, er muss aber auch schauen, dass er Geld verdient. Es gibt keine Kontrollinstanz, die die Missstände überwacht. Deswegen gibt es auch keinerlei ernsthafte Versuche in der Zucht, gesetzliche Qualitätskriterien festzuschreiben.

3. Wie ist es aus Ihrer Sicht zu der extremen Unterscheidung zwischen Nutz- und Haustier gekommen? Wieso lieben wir Hunde, haben aber gar kein Problem mit der Massentierhaltung?
Der Hund hat ein ganz besonders enges Verhältnis zu dem Menschen. Wo haben Menschen schließlich die Gelegenheit, eine Beziehung zu einer Kuh oder einem Schwein aufzubauen? Die Tatsache, dass ein Stück Fleisch nicht am Baum hängt, wird permanent verdrängt. Überall – im Supermarkt, auf den LKWs, im Fernsehen – sehen wir „lachende“ Schweine und vergnüglich kauende Kühe auf einer Blumenwiese. Das Fleisch kommt ja auch schön verpackt, wie eine Tafel Schokolade. Früher wusste jeder genau, dass ein Schwein im Stall steht und im Herbst oder Frühjahr geschlachtet wird. Da gab es dann ein Schlachtfest und jeder hat das tote Schwein gesehen und wusste, was man isst. Heutzutage wissen viele Großstadt-Kinder nicht mal, dass für die Milch eine Kuh nötig ist. Das Fleisch aus der Massentierhaltung hat doch mit viel Leid und Tod zu tun und das will man verdrängen. Die Industrie tut auch alles Erdenkliche, um das Verdrängen zu ermöglichen. Ein Kaninchen wird zu Hause gestreichelt, im Supermarkt aber für kleines Geld aus dem Tiefkühler geholt. Das eine wird mit dem anderen gar nicht mehr in Verbindung gebracht. Ein weiteres Ergebnis der Entfremdung von der Natur.

 

Das ganze Interview kannst Du in meinem Buch "Grüner Hund" lesen.