Juni: Hund im Urlaub

Umweltfreundlich reisen

Urlaub mit Hund - nachhaltiges Reisen
Shila, die Bürohündin bei UNIQUE DOG, mit einer nachhaltigen Reisedecke aus Stoff- und Kunstlederresten

Urlaub bedeutet für die meisten von uns die schönste Zeit des Jahres. In der Vorfreude auf die freien Tage voller neuer Erfahrungen und tiefer Entspannung vergessen wir oft, dass Reisen die Umwelt extrem belasten. Ganz besonders das Fliegen ist das schlimmste ökologische Verbrechen, das jeder einzelne von uns anrichten kann. Ökosysteme und Artenvielfalt leiden unter der Erderwärmung durch Klimagas-Emissionen, aber auch unter Fluglärm und Schadstoffen. Doch die Reiselust bleibt trotz der verheerenden Folgen ungebrochen, die Zahl der Fluggäste steigt unaufhaltsam weiter: 2017 waren es 4,1 Millliarden Passagiere weltweit, die abgehoben sind. Ein Plus von sieben Prozent, Billig-Airlines sei dank!


Hundehalter reisen anders

Etwas anders gestaltet sich das Reiseverhalten bei Menschen mit Hund, die ihr Fernweh aus Rücksicht auf das Tier relativ gut drosseln können. Da viele Hundehalter den Urlaub mit ihrem Liebling verbringen wollen, verzichten sie in der Regel auf entfernte Reiseziele. Laut Statistiken* reisen Hundehalter um ca. 30 Prozent weniger ins Ausland. Laut einer Forsa-Umfrage nehmen 40 Prozent ihren Liebling mit in den Urlaub und 22 Prozent tun dies gelegentlich. Knapp 70 Prozent der Urlauber, die mit ihrem Hund verreisen, wählen das Urlaubsziel meist danach aus, ob es für den Hund geeignet ist. Über die Hälfte der deutschen Hundehalter (56 Prozent) fahren am liebsten an die Nord- oder Ostsee. 37 Prozent verbringen ihren Urlaub in den Bergen und 31 Prozent bevorzugen mit dem Tier das flache Land. Südliche Urlaubsgebiete sind nicht so populär: Lediglich 19 Prozent nehmen ihren Hund mit an den Strand und in die Sonne. Auch Städtereisen sind mit nur 13 Prozent unbeliebt. Kreuzfahrten machen nur drei Prozent aus.

Auf der anderen Seite fahren Hundehalter aber etwa 25 Prozent mehr mit dem Auto und das auch täglich zu den beliebten Gassistrecken. In unserer Gesamtbetrachtung "Urlaub mit Hund" und bei den grünen Tipps, die Du nach der Anmeldung zum Newsletter bekommst, berücksichtigen wir also auch tägliche Auto-Gassistrecken und Kurzreisen zur Erholung in umliegende Regionen.


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Grüne Checkliste

Alle, die sich für unseren Newsletter registrieren, erhalten jeden Monat eine praktische Checkliste: Im Juni: Grüne Tipps für nachhaltiges Reisen mit Hund.

WUSSTEST DU....?

  • Deutsche geben gut 70 Milliarden Euro im Jahr für Urlaube aus.
  • Der durchschnittliche jährliche CO2-Ausstoß in Deutschland liegt laut Umweltbundesamt bei 10,9 Tonnen pro Kopf.
  • Ein Economy-Flug von Düsseldorf nach Mallorca und zurück veurursacht einen Ausstoß von 0,75 Tonnen CO2 pro Person. Bei Transatlantikflügen von Düsseldorf nach New York und zurück fallen 3,65 Tonnen CO2 an. Ein Mittelklasse-Wagen mit einem Benzin-Motor verursacht im Jahr (12.000 km) ca. 2 Tonnen Emissionen.
  • Damit der Temperaturanstieg um über zwei Grad in diesem Jahrhundert verhindert wird, muss der CO2-Ausstoß im Jahr 2050 bei 1 Tonne Treibhausgas pro Kopf landen.
  • Mit "Atmosfair" kannst Du deinen ökologischen Fußabdruck durch Unterstützung von Klimaschutzprojekten kompensieren.
  • Mit einem Online-Rechner der DEKRA kannst Du erfahren, wie hoch der CO2-Ausstoß Deines Wagens ist.


Nachhaltiges Reisen mit Hund

Nun ist aber der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige und für viele Regionen - vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer - überlebenswichtig. Tourismus schafft Arbeitsplätze und die Infrastruktur, die für die Besucher geschaffen wird, kommt auch der heimischen Wirtschaft und Bevölkerung zugute. Du musst also nicht komplett auf Reisen - auch das Fliegen - verzichten, wenn Du nachhaltige Reiseveranstalter wählst, CO2-Ausstoß kompensierst und lokale Wirtschaft unterstützt.

Bei längeren Urlaubsreisen ist das Auto für Hundehalter meist unvermeidlich - denn weder mit Bus noch mit Bahn kannst Du beliebig viele Stopps einlegen, um Deinem Hund eine kleine Pause zu gönnen.

Das Flugzeug ist nicht nur die umweltschädlichste Art zu reisen, sondern auch die stressigste, ganz besonders für große Hunde, die im Gepäckraum fliegen müssen. Stressfaktoren für den Hund sind unter anderem:

  • der Lärm beim Abheben und Landen
  • die beengte Atmosphäre
  • der Druckausgleich
  • Trennung vom Halter
  • andere klimatische Bedingungen am Ziel

INFOS RUND UM NACHHALTIGES REISEN

Reisemagazin: Anderswo
Förderkreis: Fairunterwegs.org
Verein zur Förderung von nachhaltigem Tourismus in Deutschland: Viabono
Buchungsportal für nachhaltige Unterkünfte: Bookitgreen
Buchungsplattform: Bookdifferent
Nachhaltige Orte, Unterkünfte in naturnaher Bauweise und regionale Bioküche: Good Travel
Verband für nachhaltigen Tourismus: Forum anders reisen
Naturnahes Reisen für Familien: Renatour
Nachhaltiger übernachten mit Bio-Lebensmitteln und regionaler Erzeugung: Bio-Hotels


Denkanstöße für Kurzstrecken mit Hund

Nicht nur lange Urlaubsreisen veursachen Umweltschäden, auch Deine täglichen Gewohnheiten tragen zum erhöhten CO2-Ausstoß bei. Statt jeden Tag das Auto zu bewegen, um mit dem Hund in den nahe liegenden Wald und zum See zu fahren, könntest Du auch das Fahrrad mit einem Anhänger nutzen. Hast Du Deinen Hund an das Gefährt gewöhnt, macht eine gemeinsame Fahrt Euch beiden Riesenspaß, garantiert Dir noch mehr Bewegung und spart ordentlich CO2.
Muss Du doch das Auto nehmen, kannst Du auch Fahrgemeinschaften bilden: Deine Nachbarn und Freunde müssen mit ihren Hunden schließlich auch Gassi gehen!


Drei Fragen an...

.... Dr. Karin Dohrmann, promovierte Ägyptologin und Gründerin von "ars canis". Sie teilt ihr Leben mit drei Hunden aus dem Tierschutz und hatte eine ganze Reihe von Pflegehunden in ein neues Zuhause vermittelt. Als Autorin verfasste sie zahlreiche Artikel über die historische Entwicklungsgeschichte von Hunden, im Speziellen von Jagdhunden und deren jagdlichen Einsatz. Mit "ars canis" hat Karin Dohrmann ihre Liebe zum Hund und ihre Leidenschaft zu Kunst, Kultur und Reisen miteinander verbunden.

ars canis - Kulturwanderung mit Hund
Dr. Karin Dohrmann mit ihren beiden Hunden (© Karin Dohrmann)

1. Was sind Deine Schwerpunkte bei ars canis, was ist Dir wichtig?
Der Hund begleitet seinen Menschen als Partner zunehmend auch in der Freizeit. Der Wunsch, dabei nicht nur auf Wander- und Naturangebote angewiesen zu sein, sondern auch Kunst und Kultur genießen zu können, hat mich zunächst bei meinen eigenen Reisen auf die Suche nach Kultur geschickt, wohin ich auch meine Hunde mitnehmen konnte. Daraus entwickelte sich in den Jahren ein Wander- und Reiseangebot für Mensch und Hund, in der Stadtbesichtigungen, Kulturbesuche, Kulinaria und Natur verbunden wurden. Reisen mit dem Hund ist wie Slow Food. Man muss sich an den Rhythmus des Hundes anpassen, der wohl auch mal den Stress einer Stadttour genießen kann, sich dann aber in einer Naturwanderung wieder entspannen muss. Ein Reiseprogramm mit Hund ist entzerrt, man kann nicht von Museum zu Museum hetzen, sondern genießt eine spezielle Auswahl an Kultur, dafür aber mit deutlich mehr Zeit und einem tieferen Eintauchen in die lokalen Besonderheiten. Hotels und Restaurants öffnen sich auch im Ausland mehr und mehr den Hundefreunden, da sie festgestellt haben, wenn diese sich wohl fühlen, gewinnt man Stammgäste. Hundebesitzer fliegen in der Regeln nicht in den Urlaub, sondern fahren mit Zug, Bus und Auto. Sie fahren deutlich kürzere Strecken, da Hunde öfter Pausen brauchen. So ist die CO2-Bilanz von Hundereisenden besser als die von Reisenden ohne Hund.

 

2. An wen richtest Du Dein Angebot? Wer wird mit ars canis glücklich?
Das Angebot von ars canis richtet sich an Hundebesitzer, die bei ihren Wanderungen und Reisen nicht nur Natur und Landschaft genießen wollen, sondern ein Interesse an der lokalen Kultur, Kunst und Kulinaria haben. Oft ist der Hund nur lästiges Beiwerk, das zwischen Kind und Gepäck einfach noch untergebracht werden muss. Wer aber gerne im Einklang mit dem Hund reist und eine Leidenschaft an Kunst und Kulturgeschichte des Reiseortes hat, der ist bei ars canis in richtiger Gesellschaft.

 

Kulturwanderung mit Hund bei ars canis
Hunde auf Kulturwanderung mit ars canis (© Karin Dohrmann)

3. Was müssen Hund und Halter an Voraussetzungen mitbringen, um bei ars canis mitzumachen?
Die Halter müssen sich in einer Reisegruppe wohl fühlen, wenn diese auch bei Hundereisen deutlich kleiner - höchstens 15 Personen - ist als in normalen Reisegesellschaften. Sie müssen mit einem deutlich kleineren Angebot zufrieden sein, denn wenn eine normale Reisegruppe am Tag bis zu vier Ziele schafft, sind in einer Reisegesellschaft mit Hund zwei Ziele realistisch. Sie sollten sich auf hundelastige Kulturgeschichten freuen!
Hunde sollten das Reisen gewöhnt sein. Sie sollten mit fremden Hunden keine Probleme haben und sich in einer Hundegruppe wohl fühlen. Natürlich ist die Individualdistanz eines jeden Hundes anders, aber darauf wird bei der Reise auch Rücksicht genommen. Eine Reisegruppe mit höchsten 10 Hunden fährt in der Regel mit einem 30-Sitzer-Bus. Von Hund zu Hund ist ausreichend Platz, so dass er sich auch zurückziehen und in Ruhe entspannen kann. Die Hunde werden auch so platziert, dass die ruhigeren Plätze von Hunden eingenommen werden, die es nicht vertragen, wenn Gäste zum Getränk holen oder WC aufsuchen, an ihnen vorbeigehen. Bei Fahrten mit dem eigenen Auto entspannen die Hunde meist schnell an ihrem gewohnten Ort. Es werden aber wegen Energie-Einsparung immer Fahrgemeinschaften mit verträglichen Hund-Mensch-Gespannen gebildet.
Kulturreise-Hunde sollten entspannt an der Leine gehen, denn in der Stadt oder Landschaftsparks ist das Pflicht. Sie sollten gewohnt sein, vor einer Einrichtung auch mal angebunden eine Stunde auf ihr Frauchen verzichten zu können. Natürlich ist bei Museumsbesuchen immer ein Hundesitter vorhanden, der auf die Hunde achtet. Auch der Restaurant-Besuch sollte keinen Stress erzeugen, denn auf Reisen kehrt man täglich ein.
Ein Kulturreise-Hund ist ein stressbelastbarer Hund, der gerne unterwegs ist und andere Lokalitäten mit fremden Menschen und Hunden genießt. Natürlich ist jeder Hund anders, wie auch jeder Mensch. Man hat mal gute Zeiten und schlechte Zeiten. Darauf sollte der Halter achten und sich dann mit seinem Hund auch mal während der Reise eine Auszeit gönnen. Im Fokus meiner Reisen stehen beide – Mensch und Hund, beide sollen glücklich sein! 


* "Ökonomische Gesamtbetrachtung der Hundehaltung in Deutschland", Prof. Dr. R. Ohr und Dr. G. Zeddies, Göttingen, 2006

** Forsa-Umfrage, 2015