September: Entwurmung nur bei Befall

Kottest statt Chemiekeule

Millionen von Hunden wird regelmäßig eine Wurmkur verabreicht. Aus Angst vor gefährlichen Würmern. Wie gefährlich sie sind, wissen eher wenige Hundehalter. Auch nicht, ob und welche Parasiten sich im Hundekörper überhaupt eingenistet haben. Die Wurmtablette gilt als eine Wunderpille. Dabei wirkt die Chemiekeule keinesfalls vorbeugend, sondern ausschließlich bei Befall. Schon ein paar Tage danach kann der Hund neue Parasiten in sich tragen. So kann selbst ein straffer Entwurmungsplan nicht zuverlässig vor Würmern schützen. Doch viel schlimmer als die fehlende Vorbeugung bei der Wurmpille sind ihre kurz- und langristigen Nebenwirkungen. Mehr dazu in unserem Blog-Beitrag.

Microstech: "90 % von Kotanalysen wurmfrei"

Unser nachhaltiger Kalender hätte aber seinen Namen nicht verdient, wenn wir nicht auch sinnvolle Alternativen vorschlagen würden statt nur zu motzen. Und sinnvoll sind Wurmtests. Dank einer im Labor analysierten Kotprobe weißt Du nämlich, ob Dein Hund mit Parasiten überhaupt befallen ist und wenn ja, kannst Du gezielt gegen bestimmte Wurmarten vorgehen.

Nach Angaben des Schweizer Unternehmens MicrosTech, das unter anderem DNA-Wurmanalysen für Hunde- und Katzen anbietet, sind 90 % der eingeschickten Proben wurmfrei. Nur 10 % der Hunde haben also eine Behandlung nötig.

Jutta Ziegler: Wirksame natürliche Wurmbehandlungen

"Eine Wurmkur ist nur bei einem starken Befall sinnvoll – und dieser muss über eine Kotuntersuchung festgestellt werden", sagte Dr. Jutta Ziegler in einem Interview für mein Buch "Grüner Hund". "Ein gesunder Hund mit intakter Verdauung kommt auch mit ein paar Wurmeiern, die unter dem Mikroskop festgestellt wurden, selbst zurecht. Nur wenn der Wurmbefall von Beschwerden wie Durchfall, blutiger Stuhl oder Bauchschmerzen begleitet wird, muss man eingreifen. Allerdings gibt es wirksame Behandlungen mit Ingwer, Knoblauch und Rizinusöl, die man auf jeden Fall versuchen sollte, bevor man zu der Chemiekeule greift", so die Tierärztin.

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  • Der Handel und Import von Hunde- und Katzenleder ist in der EU seit Januar 2009 verboten. Schätzungen zufolge werden jedoch jedes Jahr um die zwei Millionen Katzen und Hunde für Leder getötet, meist in China. Die europäische Textilkennzeichnungspflicht verlangt keine Angaben über die Tierart, das Herkunftsland oder die benutzten Chemikalien von Lederartikeln.
  • Am Ende der Gerbung hat jede Tierhaut in etwa 20 Kilogramm Chemikalien gebadet.
  • Etwa 90 % des indischen Leders landet in der Europäischen Union, Deutschland ist der zweitgrößte Absatzmarkt.
  • Da Leder keine quadratische Form hat, fallen bei der Verarbeitung 30 % Verschnitt an, die entweder entsorgt oder zu Tierfutter verarbeitet werden. Auch Narben und Unebenheiten auf der Haut landen im Müll.
  • In armen Ländern wie Bangladesch arbeiten auch Kinder in Gerbereien.


Drei Fragen an...

... Patrick Schwarzentruber, Gründer von microsTECH

Patrick Schwarzentruber ist ein Mitgründer von microsTech, einem Schweizer Unternehmen mit Sitz in Olten. Die 2013 gegründete Firma bietet neben Kosmetikprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln für Menschen auch mikro- und molekularbiologische Diagnostik für Tiere: Wurmanalysen und Titerbestimmungen.

 

1. Wie bist Du von Kosmetika für Menschen auf Kotproben für Tiere gekommen?

 

Der Auslöser war mein Hund, eine Deutsche Dogge. Nach einer verabreichten Wurmtablette lag er einen Tag nur noch rum, hatte starken Speichelfluss und litt unter Übelkeit - es ging ihm richtig schlecht. So eine Pille wollte ich ihm nicht wieder grundlos antun. Es muss doch eine Alternative für die häufige Entwurmung geben, habe ich mir gedacht. So entstand die Idee für den wurmCHECK, einen Kotproben-Test.

 

2. Die Möglichkeit, eine Kotprobe im Labor zu testen, ist an sich nicht neu. Was bietet wurmCHECK?

Die herkömmlichen Tests sind in der Regel nicht sehr zuverlässig. Bei diesen Tests wird der Kot mit Wasser verdünnt und abgesiebt. Anschließend sucht man unter einem Mikroskop nach den Eiern der Parasiten. Die Erfolgsrate ist aber erschreckend schlecht. microsTECH bietet statt dessen eine DNA-Analyse der Parasiten. Sie ist viel schneller und präziser. Ist die DNA der Parasiten in der Probe, dann finden wir diese. Das ist allerdings auwändiger und deswegen teurer als eine einfache Kotanalyse.

 

3. Welche Würmer kann Euer Test denn aufspüren?

Wir können die Anwesenheit von den sieben wichtigsten Parasiten-Arten nachweisen. Es sind:

Bandwürmer, Französischer Herzwurm, Giardien, Hakenwürmer, Lungenwurm, Peitschenwurm und Spulwurm. Das lässt gezielt gegen bestimmte Würmer vorgehen. Lungen- und Herzwürmer werden beispielsweise anders behandelt als Spul- oder Bandwürmer. Wir hatten so einen Fall. Eine Kundin hat ihrem Hund eine Entwurmungstablette gegeben, sich danach aber noch für unseren Test entschieden. Unsere Analyse hat einen Herzwurm ergeben, gegen den die Tablette nicht angeschlagen hat. Dabei endet die Herzwurmerkrankung oft tödlich.


Mehr zu natürlichen Wurmprophylaxen findest Du in meinem Hundebuch "Grüner Hund - Handbuch für nachhaltiges Hundeleben"